Aufwand und Ertrag

Pflegeaufwändige Kulissen, die den Kindern nichts nützen…

Im urbanen Raum wird dem Bedürfnis der Menschen nach Gestaltung Rechnung getragen. Wichtig ist dabei, dass die Kinder, die Umwelt und die Nachhaltigkeit nicht vergessen werden. Natur kommt gemäss Haug-Schnabel in vielen Wohnquartieren fast nur noch als pflegeaufwändige Kulisse vor. Vorgärten, Höfe und öffentliche Grünflächen werden so gezähmt und zurechtgestutzt, dass sie Kinderspielen nicht mehr standhalten oder schlichtweg langweilig sind. Haug-Schnabel zu Folge sind nicht nur bestimmte Pflanzen- und Tierarten vom Aussterben bedroht, auch viele traditionelle Spieltätigkeiten und explorierende Materialerfahrungen geraten vielerorts in Vergessenheit.

Ein kinderfreundlicher Spielplatz ist nicht unbedingt teuer…

Damit ein attraktiver, vielfältiger Spielplatz in einer Gemeinde oder einer Wohnsiedlung entsteht, werden finanzielle Mittel benötigt. Für die Umgebungsgestaltung bleibt selten viel Geld übrig. Darum ist es umso wichtiger, bereits frühestmöglich in der Spielplatz-Planung  die nötigen Mittel zur reservieren bzw. zu beschaffen. Es ist empfehlenswert, Synergien mit Vereinen, angrenzenden Liegenschaften o.Ä. zu suchen. Braucht es in einer Gemeinde viele private Spielplätze oder grössere, öffentlichen Spiel- und Begegnungsräume für die Quartierbewohner? Für siedlungsübergreifende, zukunftsgerichtete, nachhaltige Projekte/Spielräume, wo Synergien genutzt werden, lassen sich mit geringerem Aufwand Sponsoringgelder generieren.
Das Geld alleine entscheidet aber nicht, ob ein Freiraum mit hohem Spielwert entstehen kann. Mit einfachen und kostengünstigen Elementen wie Baumstämmen, Bollensteinen, Kies, Sand oder Aushubmaterial kann bereits ein Kinderparadies geschaffen werden.  Weidenhäuschen oder nicht zu stark in Form geschnittene Sträucher können als Nischen gestaltet werden, Blocksteine oder Baumstämme laden zum Sitzen oder Balancieren ein, etc.

Geringere Litteringkosten dank Partizipation?

Ein guter Partizipationsprozess mit allen Betroffenen und Nutzenden (inkl. Kinder) ist bei der Planung und Umsetzung von attraktiven Freiräumen ein wichtiger Erfolgsfaktor. Eine Studie des Marie Meienhofer Instituts für das Kind kommt zum Schluss, dass die Qualität des Wohnumfeldes auch schon für ganz kleine Kinder von grosser Bedeutung ist, dieser aber zu wenig Beachtung geschenkt werde. Bei der Planung und Gestaltung von Spielräumen werden Kinder zwar heute vermehrt mitbedacht, jedoch geschieht dies fast immer ausschliesslich aus der Erwachsenenperspektive heraus.

Dürfen Kinder, aber auch Jugendliche und Erwachsene sich aktiv in die Planung eines naturnahen Spielplatzes oder anderen Grünfläche einbringen, wird ihre Eigenverantwortung, Identifikation und das Engagement gestärkt. Bereits nach kurzer Zeit zeigt sich gemäss dem Naturama Aargau (2018) die Wirkung eines partizipativen Prozesses in Bezug auf die Littering-Problematik. Die Beteiligten tragen mehr Sorge zum mitbestimmten und -gestalteten Aussenraum und übernehmen ihren Teil der Verantwortung. Partizipative Prozesse schaffen Akzeptanz, Engagement und soziale Integration und sind eine Grundlage für nachhaltige Massnahmen im Aussenraum. 

Das u.a. vom Kanton Aargau unterstützte Projekt QuAKTIV der Fachhochschule Nordwestschweiz befasst sich eingehend mit dieser Thematik und unterstützt den Partizipationsprozess mit Kindern mit einer Broschüre und einer ► Internetplattform.

Quellen
Quellen

Fabian, C. und Huber, T., 2016. «Praxishilfe Naturnahe Freiräume für Kinder und mit Kindern; Planen und Gestalten - Grundlagen, Vorgehensweise und Methoden». Herausgeber: Fachhochschule Nord- westschweiz FHNW, Hochschule für Soziale Arbeit.

Glogner, K. und Liechti, L., 2018: Was meinen die Experten. Herausgeber: BKS Aargau, Schulblatt Nr. 4/2018, S. 35.

Haug-Schnabel, G., und Wehrmann, I., 2012: Raum braucht das Kind: anregende Lebenswelten für Krippe und Kindergarten. 1. Auflage. Weimar Berlin: Verlag das Netz.

Mayer, F., 2012: Expertise zu Lebensräumen und Lebenswelten junger Kinder. Zürich: Marie Meierhofer Institut für das Kind.