Bedeutung von Spielräumen

Spielen ist wichtig für die Hirnentwicklung der Kinder

Gemäss neuer Erkenntnisse der Neurowissenschaft ist das Spiel von grosser Bedeutung: Das menschliche Gehirn wird wesentlich durch die Erfahrung strukturiert, die ein Mensch während der Phase seiner Hirnentwicklung macht.

Der Neurobiologe G. Hüther erklärt es so: «Immer dann, wenn Kinder etwas Neues erleben, wenn sie etwas hinzulernen, werden die dabei in ihrem Gehirn aktivierten Verschaltungsmuster der Nervenzellen und Synapsen gebahnt und gefestigt. […]. Je komplizierter und verzweigter diese Strassennetze im Gehirn herausgebildet werden, desto mehr kann ein Kind im späteren Leben miteinander verbinden und in Beziehung setzen, desto umsichtiger und achtsamer wird es in seiner Wahrnehmung und desto vielfältiger und reichhaltiger wird das Spektrum der Reaktionen, die es zur Lösung von Problemen einsetzen kann.»

Gesünder und bessere Schulleistung dank mehr Bewegung

Genügend Bewegung ist gemäss der Health-Enhancing Physical Activity (Netzwerk Gesundheit und Bewegung Schweiz) für die psychische, physische und soziale Entwicklung essenziell:

Ein wichtiger Teil des Spielens ist die Bewegung in Form von Balancieren, Schaukeln, Klettern oder Herumrennen. Dabei entwickeln die Kinder ihre Fein- und Grobmotorik und lernen Risiken einzuschätzen. Zudem haben körperlich aktive Kinder und Jugendliche mehr Ausdauer und Kraft als Kinder, die sich nur wenig bewegen.

Bewegungsförderung ist ein wesentlicher Bestandteil einer umfassenden Gesundheitsförderung, denn durch körperliche Aktivität reduziert sich der Körperfettanteil und somit das Risiko, übergewichtig zu werden. Verschiedene Risikofaktoren für spätere Stoffwechselkrankheiten wie Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Diabetes II werden dadurch ebenfalls verringert. Gemäss der hepa.ch (2013) gibt ein gesundes Mass an Bewegung ebenfalls Hinweise für bessere Schulleistungen und weniger angstverbundene Symptome und Depressionen bei Kindern.

Kinder wollen selbst und ungestört entdecken können

Zu den wichtigsten treibenden Kräften für die zunehmende Verinselung und Verhäuslichung von Kindern zählen nach Apel: Ansteigende Verkehrsdichte, erschwerte Zugänglichkeit von Freiräumen, zunehmendes Sicherheitsdenken der Eltern, Digitalisierung und fehlende Toleranz gegenüber den manchmal raumgreifenden und raumverändernden Aktivitäten. Zudem werden neue Aussenräume oft stärker als früher nach den Aspekten Sicherheit, Überwachbarkeit und geringem Unterhalt gestaltet.

Kinder haben aber das Bedürfnis selbst und ungestört zu entdecken. Kinder benötigen Orte, ohne dauernde Kontrolle durch Erwachsene, Orte wo sie eigene Erfahrungen sammeln und sich mit anderen Kindern austauschen können.

Mit allen Sinnen die Natur erleben

Naturnahe Spiel- und Bewegungsräume fördern die Entwicklung und das Wohlbefinden von Kindern auf unterschiedlichste Art und Weise.

Die Natur ist der abwechslungsreichste Spielplatz und Bildungsort. Die Struktur- und Materialvielfalt führt zu den verschiedensten Sinnesanreizen – loses Material und die Vegetation animieren laut Schatenek zum freien Gestalten mit und in der Natur und fördert die Entwicklung der Kinder.

  • Alles ist in naturnahen Spielräumen möglich: Springen, schwingen, hüpfen, rennen, sich verstecken, bis zur wohltuenden Erschöpfung anstrengen, am, im und mit Wasser spielen, von oben hinabspringen, Höhe erklettern und Ausschau halten, konzentriert und erfolgreich im Gleichgewicht bleiben, gleiten und rutschen, den Taumel des Rollens und Drehens erleben.
  • Der Aufenthalt in der Natur ermöglicht vielfältige Reize wie die Erlebbarkeit des Wechsels der Tages- und Jahreszeit, des Klimas und des Spiels von Licht und Schatten; wichtig ist auch der Kontakt zu Lebendigem.
  • Das freie Spielen in der Natur ermöglicht das eigenständige Entdecken und Erforschen.
Quellen
Quellen

Apel, P., et al., 2010:  Freiräume für Kinder und Jugendliche: Gutachten im Rahmen des Nationalen Aktionsplanes «Für ein kindergerechtes Deutschland 2005 - 2010». Berlin: Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung.

Health-Enhancing Physical Activity, 2013: Gesundheitswirksame Bewegung - Grundlagendokument. Magglingen: Bundesamt für Sport

Hüther, G., 2008: Die Erfahrungen von Natur aus der Sicht moderner Hirnforschung. BfN – Skripten 230: Kinder und Natur in der Stadt Spielraum Natur.

Schatenek, V., 2013: Welchen Wert haben Naturerfahrungen in der Kindheit - Eine naturpädagogische und entwicklungspsychologische Perspektive als Beitrag für eine ‹kindgerechte Frühförderung›. Zürich: Grün Stadt Zürich.

Wilke, T., und Schemel, H.-J., 2008: Kinder und Natur in der Stadt; Spielraum Natur: Ein Handbuch für Kommunalpolitik und Planung sowie Eltern und Agenda-21-Initiativen. BFN-Skripten 230. Bonn: Bundesamt für Naturschutz.