Auswirkungen, wenn Freiräume fehlen...

Der Deutsche Soziologe Blinkert, fordert, dass die Städte ihre politischen Möglichkeiten nutzen und im Umfeld von Wohnungen für Kinder geeignete Aktionsräume schaffen sollten, statt noch mehr Therapien und noch mehr Einrichtungen zur Betreuung und Animation anzubieten.

Verhäuslichung der Kinder nimmt zu…

Das Fehlen attraktiver Freiräume und deren eingeschränkte Zugänglichkeit infolge der Gefahren des Verkehrs verweisen Kinder und Jugendliche zunehmend in die Innenräume. Die neuen Medien wie z.B. das Internet und elektronische Spiele, verstärken den Trend der «Verhäuslichung». Entsprechend stellt die Sportwissenschaft in den letzten Jahren einen zunehmenden Bewegungsmangel bei Kindern fest, der zu einer Vielzahl von Folgeerscheinungen führt. In verschiedenen Studien konnte ein Zusammenhang zwischen Bewegungsmangel, psychomotorischer Leistung und kognitiver Leistungsfähigkeit nachgewiesen werden.
 

Kleinerer Aktionsradius für Kinder…

Nach einem Report des Children’s Play Council in England war der Bewegungsradius von Kindern im Alter von sechs bis zehn Jahren, in den 70er-Jahren fünf Mal grösser als heute. Der Aktionsradius, in welchem sich die Kinder aufhalten, wird wesentlich durch die Eltern beeinflusst. Wird die Aktionsraumqualität von den Eltern als «sehr schlecht» eingestuft, spielen Kinder im Durchschnitt nur 4 Minuten pro Tag ohne Aufsicht draussen und 87% der Kinder nutzen die Gelegenheit draussen zu spielen nicht. Bei sehr guter Aktionsraumqualität dürfen Kinder dagegen im Durchschnitt 44 Minuten pro Tag unbeaufsichtigt draussen spielen und nur 20% nutzen diese Chance nicht.
 

Viele Kinder bewegen sich zu wenig…

Kinder ohne geeignete Freiräume bewegen sich weniger, d.h. sie rennen, laufen, springen, klettern, spielen, balancieren und werfen weniger. Aktuelle Zahlen der Gesundheitsförderung Schweiz zeigen, dass nur 16% der Knaben und 9% der Mädchen angeben, sich an sieben Tagen pro Woche mindestens eine Stunde zu bewegen, was als Minimum für eine gesundheitswirksame Bewegung angegeben wird. Bewegungsförderung ist daher ein wesentlicher Bestanteil einer umfassenden Gesundheitsförderung. Ein bewegungsförderliches Umfeld ist dabei ein wichtiger Faktor, um das Bewegungsverhalten positiv zu beeinflussen.

Quellen
Quellen

Blinkert, B., Höfflin, P., 2016: Freiraum für Kinder; Ergebnisse einer Umfrage im Rahmen der Freiraumkampagne der Stiftung Pro Juventute. Zürich: Stiftung Pro Juventute.

Blinkert, B., et al., 2015: Raum für Kinderspiel! eine Studie im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes über Aktionsräume von Kindern in Ludwigsburg, Offenburg, Pforzheim, Schwäbisch-Hall und Sindelfingen. FIFAS-Schriftenreihe, Bd. 12. Berlin: Lit.

Goebel, S., 2015: Die Bedeutung von Freiräumen für die gesunde Entwicklung von Kindern - Inhaltskonzept für die Kinderkampagne 2015/2016. Zürich: Stiftung Pro Juventute.

Health-Enhancing Physical Activity, 2013: Gesundheitswirksame Bewegung - Grundlagendokument. Magglingen: Bundesamt für Sport