Bedeutung von Freiräumen

Freiraum ist ein in der Raum- und Landschaftsplanung verwendeter Begriff und beschreibt alle nicht bebauten Flächen in und ausserhalb der Siedlungen (Gärten, Strassen, Plätze, Parkanlagen, Gewässer, Wälder, Wiesen, Felder, etc.).

Warum sind Freiräume wichtig für Kinder?

Kinder brauchen Orte, an denen sie selbstbestimmt und ungestört eigene Erfahrungen sammeln und bearbeiten können. Wo gelingt dies besser als im Freien? Eine Studie des Deutschen Kinderhilfswerks zeigt auf, dass v.a. für die Altersgruppe der Fünf- bis Neunjährigen das Wohnumfeld von grosser Bedeutung ist. Diese Kinder sind in einer Entwicklungsphase, in der unkontrollierte Freiräume mit Möglichkeiten zum Entdecken, Ausprobieren und Verändern besonders wichtig sind.

Freiräume haben für Kinder und Jugendliche gleich mehrere Bedeutungen: Sie sind Spiel-, Erlebnis- und Aufenthaltsräume, Orte der Bewegung und Begegnung sowie Orte des eigenständigen Lernens.

Welche Aspekte schränken Kinder beim Spiel ein?

Nicht nur naturnahe Freiräume haben ein sehr hohes Potential für qualitativ hochwertige Spielräume.  Kinder sind dem Marie Meienhofer-Institut zu Folge auch in der Lage, naturferne Freiräume wie Parkplätze und langweilige, monoton bepflanzte Grünräume (sog. Abstandsgrün), verkehrssichere Strassen und Plätze (z.B. für Ballspiele) zu nutzen, sofern man sie lässt.

Der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes nennt in seinem General Comment No. 17 zu Artikel 31 der UN-Kinderrechtskonvention weitere wichtige Umstände und Einflüsse, die das Spiel der Kinder einschränken. Dies sind:

  • eine Siedlungs-, Wohnungs- und Verkehrsplanung, die Kinder nicht berücksichtigt,
  • unzureichende Frei- und Grünflächen und somit fehlende Spiel- und Rückzugsräume,
  • Kommerzialisierung des Spiels im trügerischen Gewand der Spielförderung,
  • verringerte frei verfügbare Zeit der Kinder, insbesondere durch Leistungsdruck in den Schulen, in denen Lernen alles andere ist als eine spielerische, kreative Welt- und Kulturentdeckung.

Zu Fuss zur Schule als Medizin?

Schulwege haben gemäss Dr. Marco Hüttenmoser für die Entwicklung der Kinder, das Kennenlernen der Welt, ihre motorischen und sozialen Fähigkeiten und ihre Selbstständigkeit eine sehr grosse Bedeutung:

  • Der Schulweg nimmt im Leben eines schulpflichtigen Kindes einen wichtigen Platz ein. Wer zu Fuss in die Schule geht, lernt seine Umgebung besser kennen.
  • Der Schulweg bietet viele Möglichkeiten sich mit anderen Kindern und Erwachsenen auszutauschen.
  • Für die Kinder ist der Schulweg die wichtigste Möglichkeit, den Strassenverkehr unter realen Bedingungen kennenzulernen.

Behörden und Eltern müssen sich dafür einsetzen, dass die Kinder möglichst früh selbstständig in den Kindergarten oder in die Schule gehen können und ein Bring-und Holdienst mit dem Auto entfällt . Die Behörden sind in der Pflicht, für einen sicheren Schulweg sorgen, während die Eltern die Kinder, bis sie sich genug sicher fühlen, zu Fuss in den Kindergarten begleiten müssen.

Weitere Informationen zum Schulweg und Literaturhinweise finden Sie ► hier.

Warum sind Freiräume für uns alle wichtig?

Freiräume sind für unsere Lebensqualität und für unser Wohlbefinden nebst dem land- und forstwirtschaftlichen Nutzen von grosser Bedeutung:

  • Die Erholungsfunktion von naturnahen Flächen ist unbestritten. Dazu gehört auch das Naturerlebnis.
  • Klimaausgleich (stark zunehmende Bedeutung im urbanen Raum): Kühlende Wirkung an heissen Sommertagen. Bäume und Sträucher bieten Schatten, die Vegetation und unversiegelte Flächen speichern wesentlich weniger Wärme als Beton und Strassenbeläge. Untersiegelte Flächen halten zudem das Regenwasser zurück; die gespeicherte Feuchtigkeit entzieht der Umgebung beim Verdunsten Wärme und unterstützt wesentlich den kühlenden Effekt.
  • Ökonomische Vorteile beim Unterhalt: naturnahe Flächen benötigen kein Gifteinsatz, kein Dünger, keine (oder selten) Bewässerung und oft weniger Pflegeeinsätze.
Quellen
Quellen

Apel, P., et al., 2010:  Freiräume für Kinder und Jugendliche: Gutachten im Rahmen des Nationalen Aktionsplanes «Für ein kindergerechtes Deutschland 2005 - 2010». Berlin: Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung.

Blinkert, B., Höfflin, P., 2016: Freiraum für Kinder; Ergebnisse einer Umfrage im Rahmen der Freiraumkampagne der Stiftung Pro Juventute. Zürich: Stiftung Pro Juventute.

Goebel, S., 2015: Die Bedeutung von Freiräumen für die gesunde Entwicklung von Kindern - Inhaltskonzept für die Kinderkampagne 2015/2016. Zürich: Stiftung Pro Juventute.

Marie Meierhofer Institut für das Kind, 2015: Einblicke in die Lebenswelten junger Kinder. Zeitschrift «und Kinder» Nr.96. Zürich: Marie Meierhofer Institut für das Kind.

Literaturhinweis: Förderung von Freiräumen und Natur im Siedlungsraum im Aargau

► Natur findet Stadt: Förderung von naturnahen Lebensräumen in Gärten und auf Balkonen über begeisterte Vorbilder.

► Projekte in Gemeinden: Projekt "Mehr Natur im Siedlungsraum" in Pilotgemeinden (aktuell Villmergen).

► Naturmodule: Erarbeitung von modernen Gestaltungselementen für die Natur in Zusammenarbeit mit Jardin Suisse Aargau.

► Naturnahe Spiel- und Erlebnisräume: Förderung naturnaher Spiel- und Erlebnisräume in Zusammenarbeit mit dem Naturama Aargau z.B. über das Projekt "QuAKTIV – Naturnahe, kinder- und jugendgerechte Quartier- und Siedlungsentwicklung im Kanton Aargau".

► Bäche: Förderung naturnah gestalteter Bäche im Siedlungsraum.