Partizipation

Was ist Partizipation?

Viele haben den Begriff Partizipation bereits gehört, oft wird jedoch nicht das Gleiche darunter verstanden. Ab wann spricht man von Partizipation?

Von einer echten Partizipation wird gemäss der ► Gesundheitsförderung Schweiz und ► QuAKTIV dann gesprochen, wenn Gruppen oder Personen Entscheidungsmacht haben. Je grösser diese Entscheidungsmacht ist, desto grösser ist der Grad an Partizipation. Für Projektleiterinnen und Projektleiter bedeutet das, Entscheidungsmacht zu teilen oder abzugeben, eigene Vorstellungen in Frage zu stellen und bereits geplante Vorhaben überprüfen zu lassen.

Herausforderung

Da auf Projektleitungen im Alltag oft Druck und Ergebniszwang lasten, muss zu Beginn des Projekts bewusst entschieden werden, welche Form von Partizipation überhaupt möglich ist, wie sie realisiert und entsprechend kommuniziert wird. Wenn Teilnehmenden Mitentscheidung versprochen wird, in der Projektrealität aber nur Mitsprache möglich ist, wird Frustration und Demotivation ausgelöst.

Gründe für partizipative Prozesse bei Spielplätzen

Die Planung und Gestaltung von (Kinder-)Räumen wird heute bei Bauvorhaben vermehrt mitbedacht. Zu oft noch werden Spiel- und Bewegungsräume jedoch fast ausschliesslich aus der Perspektive von Erwachsenen gestaltet. Ein guter Partizipationsprozess mit allen Betroffenen und Nutzenden (inkl. Kinder) bei der Planung und Umsetzung von attraktiven Freiräumen ist ein wichtiger Erfolgsfaktor:

  • Wenn Kinder im Projekt eine aktive Rolle haben, lernen sie ihre Ideen, Meinungen, Empfindungen zu formulieren, verschieden Sichtweisen einzunehmen, zu argumentieren und zu reflektieren.
  • Partizipative Prozesse fördern die Identifikation mit dem Spielplatz, den sie mitgestaltet haben. Kinder, Eltern und erwachsene Besucher sprechen von «unserem» Spiel oder Pausenplatz und tragen viel mehr Sorge − weniger Chaos, Unordnung, Vandalismus und Littering sind die positiven Konsequenzen.
  • Die Akzeptanz von naturnahen Spielplätzen wird durch partizipative Prozesse ebenfalls gesteigert. Eltern und erwachsene Besucher wissen über den Wert von aus Kinderperspektive gestalteten Spielplätzen Bescheid.

Unbedingt beachten bei partizipativen Prozessen

  • Teilnehmende / Angesprochene:
    Bei der Planung und Gestaltung eines Spielplatzes sollten sowohl die Kinder (möglichst direkt; mind. stellvertretend) und Jugendlichen als auch die Eltern, Anwohner, örtlichen Kinderinstitutionen, vorgesehene Trägerschaft und die zuständigen Fachstellen aktiv einbezogen werden.
  • Entscheidungskompetenz:
    Im Partizipationsverfahren sollen echte Entscheidungsspielräume gewährleistet werden, sonst ist der Frust vorprogrammiert.
  • Offene Kommunikation:
    Miteinander sprechen und transparent handeln, sowohl bei der Planung als auch bei der Gestaltung, ist das A und O für eine erfolgreiche Realisierung eines Kinderspielplatzes. Nur wenn alle am selben Strick ziehen, werden Unstimmigkeiten oder Widerstände bereits zu Beginn aus dem Weg geräumt. Das spart Zeit, Geld und Nerven.
  • Akzeptanz:
    Es werden Massnahmen ergriffen (Information, Sensibilisierung) damit die Umgebung, die Eltern und erwachsene Besucher «Chaos», «Unordnung» und «Wildnis» und unkontrolliertes Spielen im Spielraum akzeptieren und über deren Wert Bescheid wissen.

Weiterführende Literatur

  • QuAKTIV – Praxishilfe und Webseite:
    Das Projekt QuAKTIV der Fachhochschule Nordwestschweiz wird u.a. vom Kanton Aargau unterstützt. Es befasst sich eingehend mit der Thematik Partizipation und unterstützt den Partizipationsprozess mit Kindern mit der Praxishilfe «Naturnahe Freiräume für Kinder mit Kindern planen und gestalten» und der ► Internetplattform.
  • Leitfaden «Wir reden mit» - Partizipation von Jugendlichen in Vereinen: ► Internetplattform und Flyer.
  • ► Themenheft „Info Animatio – Freies Spiel“ vom Dachverband offene Kinder- und Jugendarbeit Schweiz (DOJ).
Quellen
Quellen

Fabian, C. und Huber, T., 2016. «Praxishilfe Naturnahe Freiräume für Kinder und mit Kindern; Planen und Gestalten - Grundlagen, Vorgehensweise und Methoden». Herausgeber: Fachhochschule Nord- westschweiz FHNW, Hochschule für Soziale Arbeit.

Glogner, K. und Liechti, L., 2018: Was meinen die Experten. Herausgeber: BKS Aargau, Schulblatt Nr. 4/2018, S. 35.

Mayer, F., 2012: Expertise zu Lebensräumen und Lebenswelten junger Kinder. Zürich: Marie Meierhofer Institut für das Kind.